Eltern für Kinder e.V.

Staatlich anerkannte Adoptionsvermittlungsstelle

Presseinfo

Presseerklärung vom 21.10.2010 zu "Adoptionen aus Haiti"

Im Zusammenhang mit der furchtbaren Katastrophe in Haiti gibt es eine Flut von gut gemeinten Anfragen bezüglich verlassener Kinder.

Eltern für Kinder e.V. stellt in zweierlei Hinsicht professionelles Vorgehen sicher:

Erstens:
Es ist nicht damit zu rechnen, dass Kinder, die durch das Erdbeben ihre Eltern verloren haben, von Haiti aus kurzfristig zu Adoptiveltern vermittelt werden. In der momentanen Situation ist es unmöglich zu klären, ob ein verlassenes Kind eventuell doch noch Angehörige hat, oder ob es Nachbarn und Freunde gibt, die Verantwortung übernehmen können. Erfahrungsgemäß reorganisieren sich viele Familien nach Abebben der Katastrophe, d.h. die Kinder finden wieder ihre leiblichen Eltern. Erst wenn ein Mindestmaß an funktionierenden Strukturen im Land wiederhergestellt ist, können solche Entscheidungen für die Kinder getroffen werden. 

Scheinbar verlassene Kinder dürfen auf keinen Fall vorschnell ins Ausland zu adoptionswilligen Familien gegeben werden.


Unabhängig davon ist eine Auslandsadoption ein Vorhaben, das eine gründliche Vorbereitung voraussetzt. Paare die Interesse daran haben, sich grundsätzlich über den Ablauf einer Auslandsadoption über Eltern für Kinder e.V. zu informieren, können sich gerne an uns wenden.

Zweitens:
Die Adoption eines Kindes ist eine wichtige existentielle Erfahrung für eine Familie. Das Erdbeben in Haiti hat auch die Situation für die Familien, die bereits einen Kindvorschlag aus Haiti haben, extrem verschärft und sie sind einer über die Maßen hohen Belastung ausgesetzt. Es handelt sich um hoch traumatisierte Kinder:

Kinder die bereits vor den Ereignissen für eine Auslandsadoption überprüft waren, verletzt oder traumatisiert sind, bedürfen nun einer raschen Vermittlung.


Um diesen oft seelisch verletzten Kinder ein behutsames Ankommen in der Adoptivfamilie zu gewährleisten, erfolgt die Vermittlung geschützt und wenig öffentlichkeitswirksam. Denn unser Verein und alle am Prozess beteiligten Personen haben nur ein Ziel, die Familien und Kinder zu schützen. Wir bitten daher zu respektieren, dass wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinerlei Auskünfte über Aktionen zur Abholung von Kindern geben.

Wir werden Sie selbstverständlich zum geeigneten Zeitpunkt weiter informieren und ein Statement an die Medien herausgeben.

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Liebe Besucherin, lieber Besucher,
liebe Vertreterin, lieber Vertreter der Printmedien, der elektronischen Medien und des Internets,

willkommen auf den Webseiten von Eltern für Kinder e.V.. Sie finden hier Informationen über das Tätigkeitsspektrum von Eltern für Kinder e.V. und Sie sind herzlich eingeladen, darauf zuzugreifen.

Aufgrund zunehmender Medienanfragen und vermehrten Medienberichte über internationale Adoptionen möchte Eltern für Kinder e.V. an dieser Stelle seinen Grundsatz, Beistand des Kindes zu sein, nochmals betonen:

Der Schutz und die Würde des Kindes stehen an erster Stelle.

Eltern für Kinder e.V. achtet die Privatsphäre aller an der Adoption beteiligten, vor allem auch der Kinder. Insbesondere die Zusammenführung von Eltern und Adoptivkindern ist ein sehr intimer, dabei aber auch sehr kritischer Moment, der ohne jegliche Störungen ablaufen muss. Der störungsfreie Ablauf dieses ersten Moments in der neuen Familie ist von entscheidender Bedeutung für das weitere Gelingen der Adoption.

Eltern für Kinder e.V. unterstützt die Begleitung einer internationalen Adoption durch ein Kamerateam daher grundsätzlich nicht. Entsprechende Presseanfragen werden von Eltern für Kinder e.V. nicht an wartende Eltern weiter geleitet.

Verantwortungsvolle journalistische Arbeit zum Thema Adoption möchte Eltern für Kinder e.V. gern unterstützen. Diese Arbeit kommt aber auch ohne die Zurschaustellung des Kindes im wichtigsten und zugleich schwierigsten Moment seines jungen Lebens aus.

Werdende Adoptiveltern können in der Findungsphase, im Bewerberverfahren und später während der Wartezeit auf die Adoption journalistisch begleitet werden, wenn die Beteiligten damit einverstanden sind. Aber die Reise ins Herkunftsland des Kindes, die Abholung und die Zusammenführung müssen ohne Störungen verlaufen. Wenn Eltern selbst in dieser Phase fotografieren und dieses Material später in geeigneter Form zur Verfügung stellen, kann dies ein Weg sein, Bildmaterial über eine Adoption zu erhalten.

Wenn Sie verantwortungsvoll über das Thema internationale Adoption berichten wollen, werden Sie sicherlich auch den Standpunkt von Eltern für Kinder e.V. verstehen und eine entsprechende Vereinbarung mittragen. In diesem Fall können Sie sich gern an Eltern für Kinder e.V. wenden, um die weiteren Schritte zu besprechen.

Ihr Vorstand von Eltern für Kinder e.V.

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Eltern für Kinder e.V. trägt zudem die Gemeinsame Erklärung der Arbeitsgemeinschaft aller deutschen Adoptionsvermittlungsstellen in freier Trägerschaft, verfasst im Juni 2007:

Adoptionsberatung braucht Vertrauen und Diskretion

Das Gelingen einer Adoption hängt in hohem Maße von der Qualität der Adoptionsberatung ab. Eine gute Adoptionsberatung kann nur in einem vertrauensvollen, geschützten Klima stattfinden. Diskretion ist Sache nicht allein der Vermittlungsstelle.

Wenn Teile der Beratungsgespräche im Internet oder anderweitig öffentlich diskutiert und kritisiert werden, wird Vertrauen zerstört. Die beratende Person kann sich, wenn sie überhaupt von den Vorgängen erfährt, gegen Vorwürfe nicht wehren. Selber in die Offensive zu gehen und Verzerrungen klarzustellen, ist ihr gesetzlich verboten.

Auch Adoptivkinder haben Anrecht auf Schutz ihrer Privatsphäre

Leider stößt man im Internet, aber auch in anderen Medien, immer häufiger auf Berichte von Adoptiveltern, die detailliert über die Geschichte ihres Kindes Auskunft geben, und dabei nicht zögern, auch Probleme, Auffälligkeiten, ja schwere Störungen des Kindes der Öffentlichkeit preiszugeben. Das verstößt massiv gegen das Recht das Kindes auf Schutz seiner Privatsphäre.

Adoptivkinder, die eine schwierige Vorgeschichte haben und oft erst nach Irrwegen einen erträglichen Lebensweg finden, haben ein ganz besonderes Anrecht auf Schutz ihrer Persönlichkeit. Es wird sie zutiefst kränken und verstören, wenn  sie voraussetzen müssen, dass 'die halbe Welt' über ihre Schwierigkeiten informiert ist oder sie sogar von fremden Personen auf ihre Probleme angesprochen werden.

Jürgen Stapelmann, Eltern für Kinder e.V.
Dr. Bernd Wacker, terre des hommes